KARNEVAL IN DER GESCHICHTE


Das Wort Karneval kommt wahrscheinlich von dem lateinischen Ausdruck aus dem Mittelalter “carne levare” oder “carne vale” dass soviel bedeutet wie “fleisch geh fort” oder “Abschied vom Fleisch”. Sein Ursprung kann man wahrscheinlich in vorchristlichen Zeiten unter heidnischen Völkern im nördlichen Teil der Erde suchen. Im heidnischen Rom hat man, zum Beispiel schon Maskenfeste gefeiert. Es könnte dort eine Feier zum Anfang des Frühlings gewesen sein.

Zu christlichen Zeiten waren es ursprünglich drei “lockere” Tage vor der Fastenzeit die mit dem Aschemittwoch anfing und sich bis Ostern hinstreckte. Die bekanntesten Beispiele von Karneval in Europa kamen von Italien (Rom,. Venedig, Florenz, Turin und Neapel), aus Frankreich (Paris und Nice) und aus Deutschland (München, Köln und Mainz).

Obwohl dieses weltliche Vergnügungsfest besonders in katholischen Gegenden gefeiert wird, war die Römisch Katholische Kirche nicht immer damit einverstanden und manche Päpste und Theologen haben sich sehr kritisch darüber geäussert. Heute wird das Fest von der Kirche geduldet, obwohl in vielen Gegenden die Fastenzeit auch nicht mehr eingehalten wird.

KARNEVAL IN BRASILIEN

Als man in Europa schon seit Jahrhunderten Fastnachtumzüge und Feste kannte war der Karneval in Brasilien noch unbekannt. Er fing mit dem portugiesischen Entrudo an der aus einem Umzug bestand bei dem sich die Teilnehmer mit allen möglichen Flüssigkeiten bespritzten (limão de cheiro, Essig, Himbeersaft und Wein). Dann kam der portugiesische Schuster José Nogueira de Azevedo Paredes (Zé Pereira genannt) der die Umzüge mit Trommeln und Bumbos um das Jahr 1846 eingeführt haben soll. Damals wurde Karneval noch hauptsächlich in den Ballsäalen gefeiert und die Strassenumzüge wurden nur durch Marschmusik begleitet. Samba mit Begleitung von Pandeiro, Cuíca, Tamborim, Reco-Reco und Frigideiras kam erst im Jahr 1917 mit dem Samba-Maxixe “Pelo Telefone” von Mauro de Almeida zum erstenmal in einen Karnevalumzug.

Inzwischen ist der Karneval zu einem kulturellen Kosmos Brasiliens geworden. Es gibt nicht nur einen, sondern viele Karnevals im Land. Zum Beispiel den von Recife, von Olinda, von Salvador, von Rio de Janeiro, u.s.w. Gemeinsam ist ihnen allen eine euroafrikanische Wurzel – einerseits die höfischen Tänze und Maskenbälle und andererseits die Sklavenfeste. Die Vitalität der afrikanischen Linie setzte sich mit Rhythmen und bunten Pfantasien durch. Karneval ist im Grunde die Verherrlichung der Lebensfreude. Kein anderes Volk der Erde ist dem Glück des Augenblicks so zugewandt wie das brasilianische. Die Fähigkeit, die traurige Vergangenheit und die unsichere Zukunft zu vergessen, ist das Geheimnis der brasilianischen Seele.

Quellen: Enciclopédia Mirador und Reiseführer “Brasilien” von Marco-Polo.

Wolfgang Collischon ist ein in Lajeado, RS, beheimateter Historiker und pensionierter Lehrer, der sich intensiv der Bewahrung und Verbreitung der deutsch-brasilianischen Kultur widmet.
Fale Conosco
ahai@brasilalemanhaonline.com.br